Forests Underwater – Das größte Naturaquarium der Welt

Forests Underwater

Forests Underwater im Oceanário de Lisboa ist das größte Naturaquarium der Welt. Mit seinen 40 Meter Länge und 160.000 Liter Fassungsvermögen ist es nicht nur ein absoluter Rekord, sondern auch das Lebenswerk von Takashi Amano.

Als hauptberuflicher Aquascaper hatte ich das große Glück, eine Woche lang unter der Leitung von Takashi Amano bei der Einrichtung dabei sein zu dürfen.

Forests Underwater - Das Aquarium wird gebaut

Die Entstehungsgeschichte und das gelernte Wissen habe ich vor Ort in einem Tagebuch festgehalten. Ausserdem habe ich jede freie Minute genutzt und auf 2316 Bildern jedes Details und jeden Schritt festgehalten.

Dieses einmalige Ereignis werde ich nie in meinem Leben vergessen.

Forests Underwater - Takashi Amano und Jurijs Jutjajevs

Nach dem plötzlichen Tod von Takashi Amano habe ich angefangen ein Buch über die Entstehungsgeschichte dieses Aquariums zu schreiben.

Forests Underwater – Die Entstehung des größter Naturaquariums der Welt.

Es wird jedoch noch einige Monate dauern bis das Buch fertig ist. Dann muss es korrigiert werden. Und bis in Deutschland ein Buch gedruckt wird, können sogar Jahre vergehen.

So lange wollte ich auf keinen Fall warten. In diesen zwei Interviews (1,2) hatte ich bereits vorab einige Informationen verraten und habe mich entschieden einen Teil der Geschichte und der gemachten Erfahrungen mit dir vorab zu teilen.

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Kommen wir nun zu der Entstehungsgeschichte von Forests Underwater, dem größten Naturaquarium der Welt

Ich habe den Artikel in der Form eines Tagebuchs geschrieben. So kannst du den Fortschritt am einfachsten verfolgen und bekommst am besten ein Gefühl darüber, wie es vor Ort war und was wie lange gedauert hat.

27.01.2015 – Das erste Treffen mit Takashi Amano

Heute ist der 27.Januar, mein Geburtstag. Ich mache mich auf den weg nach Lissabon um dort unter der Leitung von Takashi Amano das größte Naturaquarium der Welt einzurichten.

Das erste Treffen findet bereits im Abfluggate des Frankfurter Flughafens statt. Dort gehe ich einfach auf die Japaner zu und stelle mich vor. Es ist ein komisches Gefühl, doch die Japaner sind sehr höflich und ich werde sogar auf Deutsch begrüßt.

In Lissabon angekommen werde ich von Daniel Metzer empfangen. Daniel ist der zweite Deutsche Aquascaper. Zusammen machen wir uns auf den Weg zum Hotel.

28.01.2015 – Forests Underwater und die Aufgabe die mich Erwartet

Als ich zum ersten Mal das 40 Meter Aquarium erblicke, stockt mir der Atem. Takashi Amano heißt uns Willkommen und stellt die wichtigste Regel auf. Es gibt nur einen der das Sagen hat und das ist er.

Forests Underwater - Noch leeres Aquarium beim Betreten des Raumes

Takashi Amano erläutert in welcher Form das Vulkangestein aufgeschüttet werden soll und wie es später mit Bodengrundmaterial aufgefüllt wird.

Forests Underwater - Schema Bodengrundaufbau und Lava Hügel

Es geht los!

Takashi Amano bekommt zuerst die größten der 78 XXL Wurzeln präsentiert und entscheidet dann an welcher Stelle diese in dem Aquarium eingebaut werden sollen. Prompt werden diese in das Aquarium getragen und dort nach seinen Anweisungen gedreht und ausgerichtet.

Forests Underwater - Takashi Amano dirigiert seine Helfer durch das Megafon

Weil das Plexiglas sehr leicht zerkratzt, werden kitschbunte Plüschdecken immer dort schützend über das Plexiglas gelegt, wo gerade etwas über den Rand ins Aquarium befördert werden soll.

Forests Underwater - Große Wurzeln werden in das Aquarium getragen

Damit man ihn besser versteht, verwendet Takashi Amano ein Megafon und einen Laserpointer.

Nachdem die großen Wurzelkompositionen ausgerichtet sind, geht es ans aufschütten der Lavasteine. Stein für Stein werden insgesamt 20 Tonnen Lava Steine von Hand im Aquarium verbaut.

Als nächstes werden zu leichte Wurzeln mit Gewichten beschwert. Besonders filigrane Wurzeln werden mit Gewichten beschwert, diese werden normalerweise von Tauchern verwendet.

Forests Underwater - Mit Kunststoff ummantelte Gewichte für die filigranen Wurzeln

Gegen 18 Uhr verkündet Takashi Amano: Die Arbeit ist zu ende. Wir dürfen Feierabend machen.

29.01.2015 – Habt ihr Muskelkater?

Habt ihr Muskelkater? – Dies ist die erste Frage die Takashi Amano an diesem Tag stellt. Wer diese Frage voreilig mit nein beantwortet, hat laut Takashi Amano am Vortag nicht hart genug gearbeitet. Und darf sich anschliessend in der ersten Reihe beweisen.

Ein Mal darfst du raten, ob ich anschliessend in der ersten Reihe arbeiten durfte.

Heute sollen die großen Lavahügel weiter aufgetürmt und mit den unterschiedlichen Bodengrundschichten gefüllt werden.

Es bilden sich Helferstraßen um die 8.550 Liter Aquasoil Amazonia in das Aquarium zu transportieren.

Forests Underwater - Aufbau der Hügel

Nach der Mittagspause werden die Pflanzlöcher gefüllt. Kleine Lava Steine werden in Eimer gefüllt und um die Ränder der Pflanzlöcher geschüttet.

Zum Schluss kommt der Sand rein. Dabei entstehen wieder unzählige Helferstraßen. Eimer für Eimer werden insgesamt ca. 6 Tonnen Sand in das Aquarium bewegt.

Forests Underwater - 6 Tonnen Sand gleichmäßig verteilt im Vordergrund

Takashi Amano verkündet: das Hardscape ist fertig und das Tagesziel erreicht.

Wir dürfen heute sogar früher Feierabend machen. Takashi Amano macht einige Bilder mit seiner analogen Großformatkamera.

Forests Underwater - Hardscape only Bilder mit der analogen Großbildkamera

Auch wir nutzen die gewonnene Zeit und machen die ersten Gruppenbilder.

Forests Underwater - Gruppenbild Team der freiwilligen Aquascaper

30.01.2015 – Ohne Moos nix Los

Eigentlich gab es keinen langweiligen Tag. Wenn ich jedoch einen Tag nennen müssten, dann diesen.

Am heutigen Tag wurden die ganzen Wurzeln mit Moos umwickelt. Den ganzen Tag Wurzeln mit Moos umwickeln!

Forests Underwater - kurz bevor die Pflanzen kommen

So hatte ich im Laufe des Tages ein Dutzend Moss Cotton Rollen auf dem Gewissen.

Die Wurzeln und Steine die mit Moos umwickelt wurden, werden vor dem austrocknen geschützt, indem diese in feuchtes Papier und Folie eingewickelt werden.

Forests Underwater - Bemooste Wurzeln mit Papier und Folie umwickeltI

Zusätzlich laufen jetzt 6 Luftbefeuchter im Dauerbetrieb.

Forests Underwater - Luftbefeuchter im Dauerbetrieb

31.01.2015 – So geht Vorbereitung in Japan

1,5 Jahre Vorbereitung und 4 Monate Bauzeit. Dazu gibt es ein 3D Model und mehrere Zeichnungen. Pflanzkarten und Querschnitte. Doch das beste kommt noch.

Forests Underwater - 3d Modell und Pflanzplan

Heute werden die Pflanzen vorbereitet.

Forests Underwater - Pflanzplan

Beim vorbereiten der Pflanzen lerne ich ein wenig Japanisch:

  • Sayuri – Die kleine Lilie
  • Takashi – Respekt gegenüber den Eltern
  • Amano – Feld im Himmel
  • Ganbaruzo – Gib dein Bestes

Die ersten Pflanzen die eingesetzt werden, sind „Tiger Lotus“. Diese werden nach einer Abstandskarte gesetzt. Ja, nach einer Abstandskarte. Diese gibt es für jede Pflanzensorte. Um die Pflanzlöcher vor dem Austrocknen zu bewahren, werden diese geflutet und mit Plastikfolie abgedeckt.

Forests Underwater - Tiger Lotus nach Abstandsplan

Etwa um die Mittagszeit Signiert Takashi Amano einen Stein und sagt, dass dieser zum Schluss im Aquarium platziert wird.

Forests Underwater - Takashi Amano signiert den Stein

Jemand macht einen sehr tiefen Kratzer in der Frontscheibe. Danach müssen Gürtel und Uhren beim Arbeiten im Aquarium ausgezogen werden.

Forests Underwater - Ein tiefer Kratzer wird wegpoliert

Zum Ende des Tages wird die erste Ecke des Aquariums mit Wabikusa Kugeln bepflanzt. Takashi Amano schaut auf die Pläne und gibt dann Anweisungen. Die großen Soil Hügel werden durch die farbigen Stöcke in Zonen aufgeteilt, was ein wenig Malen nach Zahlen ähnelt.

Forests Underwater - Die Erste Ecke wird bepflanzt

01.02.2015 – Auf die Plätze, fertig, GANBARUZO!

Heute arbeiten mehrere Teams parallel und bepflanzen alle großen Hügel.

Forests Underwater - Die Hügel werden bepflanzt

Seit dem heutigen tag werden die bereits bepflanzten Bereiche permanent mit Wasser besprüht.

Forests Underwater - permanentes sprühen

Mit einem Laserpointer zeigt Takashi Amano an welchen Stellen unterschiedliche Farne und Anubias aufgebunden werden sollen. Diese Stellen werden mit farbigen bändern markiert.

Forests Underwater - Farne und Anubien aufbinden

Anschließend werden überall dort die jeweiligen Pflanzen aufgebunden.

Forests Underwater - Farne und Anubien aufbinden 2

02.02.2015 – Fertigstellung Forests Underwater

Es stellt sich heraus, dass das Aquarium die ganze Nacht im Schichtdienst besprüht und so vor dem Austrocknen bewahrt wurde!

Am heutigen Tag werden die letzten Feinarbeiten erledigt.

Forests Underwater - Die letzten Feinarbeiten

Zwei Teams streichen den Sand glatt und an der Frontscheibe exakt 2 cm hoch.

Forests Underwater - Der Sand wird vorne auf 2cm glatt gestrichen

Um 16:45 Uhr verkündet Takashi Amano, dass das Aquarium fertig eingerichtet ist. Er sagt, dass es viel besser geworden ist als gedacht und dass nach über 1,5 Jahren Planung ein Tropisches Paradies entstanden ist.

Forests Underwater - Takashi Amano kontrolliert die letzten Details

Zum Abschluss des Tages, macht Takashi Amano ein Gruppenbild mit seiner analogen Großbildkamera.

Forests Underwater - Gruppenbild nach Fertigstellung

Jetzt kann das Aquarium geflutet werden.

Forests Underwater - Langsam wird das Aquarium mit Wasser gefüllt

03.02.2015 – Technik und aufräumen

Es hat die ganze Nacht gedauert das Aquarium zu fluten. Jetzt wird die Technik in Betrieb genommen und Pflanzenreste rausgefischt.

Es gibt viel Zeit um Bilder und Videos zu machen, sowie das Ozeanarium selbst zu besuchen.

Forests Underwater - Yuta Amano fotografiert seinen Vater Takashi Amano

Hier hat Filipe Oliveira ein schönes Video erstellt, welches den Zustand an diesem Tag am besten zeigt

04.02.2015 – Sightseeing und Abschlussfeier

Heute auf dem Programm: Sightseeing Tour, gemeinsames Mittagessen und die große Abschlussfeier.

João Falcato, der CEO des Oceanário de Lisboa, bedankt sich bei Takashi Amano für seine großartige Arbeit.

Auch wir überreichen den zuvor erstandenen Portwein sowie ein von allen signiertes Gruppenbild an Takashi Amano und João Falcato.

05.02.2015 – Abreise und Zusammenfassung

Auch das größte Projekt geht irgendwann zu Ende. Und so heißt es am letzten Tag Koffer packen und die Rückreise antreten.

Es erfüllt mich mit Stolz bei diesem Megaprojekt dabei gewesen zu sein. Und ich hoffe ich konnte dir mit diesem Artikel einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte von Forests Underwater geben.

Hier ein Zusammenfassendes Making of  Video von Forests Underwater, oder wie es auf Portugiesisch genannt wird „Florestas Submersas“

Für die Zahlenfreaks unter euch, hier noch Mal alle Daten von Forests Underwater auf einen Blick:

  • 33 Mitarbeiter, 11 ADA Japan + 12 Oceanário de Lisboa + 10 Aquascaper aus Europa
  • 1,5 Jahre Planungszeit
  • 4 Monate Bauzeit
  • 6 Tage Einrichtungsdauer
  • 160.000 Liter Wasser
  • 12,5cm dickes Plexiglas
  • 40 Meter lang, 8/24/8 Innenmaß 2,5m x 1,5m
  • 78 XXL Wurzeln aus Schottland
  • 20 Tonen Lava Steine von den Azoren (vorgewaschen und getrocknet)
  • 8.550 Liter Aquasoil Amazonia
  • 6 Tonnen Sand (vorgewaschen und getrocknet)
  • 76.000 Pflanzen, 46 verschiedene Arten
  • 10.000 Fische, 40 verschiedene Arten
  • 15.000 Amano Garnelen
  • 70 HQI Strahler mit je 2 x 400 Watt (6.500k/10.000k) gesamt 56.000 Watt
  • Co2 Einbringung durch ein Venturi System
  • 5 Filter Anlagen
  • Name Englisch: Forests Underwater
  • Name Portugiesisch: Florestas Submersas

Wenn es noch ein bisschen mehr sein darf, habe ich hier für dich eine Podcast Episode von ScapeFu, in der ich ebenfalls einen Einblick hinter die Kulissen von Forests Underwater gebe.

Die Ausstellung hat am 22 April 2015 aufgemacht. Den Stand nach 2,5 Monaten zeigen folgende Bilder und ein Video von Philipe Oliveira sehr gut.

Forests Underwater - Stand 22.04.2015 Bild Filipe Oliveira

Forests Underwater - Stand 22.04.2015 Bild Filipe Oliveira 2

 

Und hier eins mit beeindruckenden Unterwasseraufnahmen

Wenn du immer noch nicht genug hast. Dann schau dir die komplette Making of Reihe von ADA VIEW

Auf der Seite von ADA Japan gibt es ebenfalls eine Menge Informationen zu Forests Underwater, sowie ein interessantes Interview mit Takashi Amano. Hier wird ausserdem erklärt wie das Scape aufgebaut ist und man sieht beeindruckend Bilder von Tauchern die das Aquarium pflegen.

Obwohl es so viele Videos und Bilder über Forests Underwater gibt, ist immer noch so vieles nicht erzählt und nicht gezeigt worden. Aber das ist auch gut so, schliesslich muss ich noch ein paar Trümpfe für mein Buch aufheben. Das verstehst du sicherlich.

Zum Schluss bleibt noch zu sagen, dass es sich bei Forests Underwater um eine temporäre Ausstellung handelt. Diese ist für 30 Monate geplant. Ob diese durch den Tod von Takashi Amano verlängert wird, kann ich dir nicht sagen. Deswegen einfach den nächsten Urlaub in Lissabon verbringen und dieses Meisterwerk mit eigenen Augen sehen, so lange es noch steht!

Ich würde gerne von dir wissen, wie dir dieser Artikel gefallen hat? Schreib es mir jetzt in die Kommentare. Gerne auch deine Fragen zu diesem Projekt, ich werde sie alle lesen und beantworten. Garantiert!

Danke, dass du den Artikel bis zum Ende gelesen hast!

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Ein tolles Aquarium, entstanden in vorbildlicher Gemeinschaftsleistung engagierter und erfahrener Aquascaper – allesamt unter der Leitung von Takashi Amano.

    1. Danke Philipp,
      wie ich bereits sagte – dieses Ereignis werde ich nie wieder in meinem Leben vergessen!
      Grüße
      Jurijs mit JS

    1. Hey Sebastian,
      schön dass er dir gefällt. Ja du kannst ruhig auf das Buch gespannt sein – ich habe noch einige Ässe im Ärmel ;)
      Grüße
      Jurijs mit JS

  2. Der absolute Wahnsinn , man überlegt manchmal Stunden wie man das beste Hardscape und die beste Bepflanzung für ein 50L oder 160l Scape anordnen soll … In diesen Größenverhältnissen in den Amano gedacht hat erscheint das fast unmöglich … Das ganze dann noch peinlich genau so umzusetzen wie es geplant war is einfach ne Meisterleistung … RESPEKT !

    1. Danke Toni,
      in der Tat – ich glaube es hätte niemand ausser Takashi Amano geschafft.
      Man bedenke 1,5 Jahre Planung und Monatelange Bauzeit.
      Grüße
      Jurijs mit JS

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